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Signalübertragung: Übertragungsgüte und Störgrößen


9. Signalübertragung: Übertragungsgüte und Störgrößen

9.1. Die Übertragungsstrecke 

signaluebertragung.gif

Signalübertragung findet immer zwischen einem Sender und einem oder mehreren Empfängern statt. Ganz allgemein kann gesagt werden, dass Signale vom Sender über ein Transportmedium an den Empfänger übertragen werden. Auf jedes Transportmedium wirken Störungen ein, die die übertragenen Signale verändern.

Die Qualität der Signale wird dadurch verschlechtert. Das Transportmedium kann aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt sein, neben Kabeln sind elektromagnetische Felder die hauptsächlichsten Übertragungsmedien.

9.2. Das Signal

9.2.1. Wie sieht ein Digitalsignal aus? 

Um beurteilen zu können, mit welcher Qualität Signale übertragen werden, muss man zunächst die Frage stellen, wie diese Signale im Idealfall aussehen sollen. Danach muss man ermitteln, welche Veränderungen und/oder Störungen des Signals noch toleriert werden können, ohne dass der Signalinhalt verloren geht.

Bei der Übertragung von digitalen Daten gibt es im Regelfall nur zwei Zustände: 0 und 1.

Diese Zustände werden z. B. bei elektrischer Signalübertragung durch zwei Spannungspegel (im Bild V+ und V-) repräsentiert, die Werte für diese Pegel sind unterschiedlich bei den einzelnen Systemen.

Die Datenübertragung besteht für Digitalsignale also aus der Übertragung von Folgen der Werte 0 und 1. Wenn man den zeitlichen Signalverlauf grafisch darstellt, erhält man (im Idealfall) eine Kurve, die aus Rechtecken besteht. Deshalb spricht man in der Digitaltechnik auch von Rechteckimpulsen.

Die mathematisch-theoretische Behandlung der Rechteckimpulse ist sehr schwierig. Für die Praxis genügt es aber in den meisten Fällen zu wissen, dass ein Rechtecksignal aus einer großen Anzahl von Sinussignalen unterschiedlicher Frequenzen zusammengesetzt ist.

Je schärfer die „Ecken“ eines Rechteckimpulses sind, desto höhere Frequenzen sind in dem Gemisch der Sinussignale enthalten.

9.2.2. Wann wird ein Signal noch als solches erkannt? 

Grundsätzlich gilt für alle Störbeeinflussungen:

Ein Signal wird auf der Empfängerseite nur dann erkannt, wenn deutlich zwischen 0 und 1 unterschieden werden kann. Solange die Rechteckform des Signals erhalten bleibt, macht das keine Schwierigkeiten. Durch verschiedene Störbeeinflussungen wird jedoch die Rechteckform des Signals mitunter bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Beim Datenempfänger muss deshalb u. U. die Rechteckform der Signale wieder regeneriert werden. Ab einer bestimmten Verformung ist das Rechtecksignal nicht mehr zu regenerieren, d. h., es kann nicht mehr in jedem Fall zwischen 0 und 1 unterschieden werden. Damit ist die Information verloren. Bei vielen Übertragungsstrecken fordert in diesem Fall der Empfänger den Sender auf, die Übertragung erneut durchzuführen. Deshalb erscheinen stark gestörte Übertragungsstrecken deutlich langsamer.

9.2.3. Wie erkennt man Übertragungsfehler? 

Das Problem tritt bei jeder Übertragung von digitalen Daten auf: Der Sender sendet eine Folge von Nullen und Einsen, der Empfänger empfängt eine Folge von Nullen und Einsen. Woher weiß jedoch der Empfänger, dass er, nachdem er ein verzerrtes und von ihm regeneriertes Signal ausgewertet hat, tatsächlich die originale Folge von Nullen und Einsen empfing?

Hierzu gibt es eine große Anzahl von Prüfverfahren, die alle auf dem Prinzip beruhen, dass zusätzlich zum eigentlichen Dateninhalt noch Daten übertragen werden, die eine Prüfung ermöglichen. Zusätzliche Daten, die die Übertragungssicherheit erhöhen, nennt man „redundant“ (lat. redundare = im Überfluss vorhanden sein).

Hierzu ein einfaches Bespiel:

Es sollen in jeweils einem Byte die Zahlen 5, 7 und 9 übertragen werden. Zur Sicherheit sendet der Sender ein viertes Byte mit der Summe der drei Zahlen (21). Aus dem verwendeten Übertragungsprotokoll weiß der Empfänger, dass es sich beim vierten Byte um die Summe der drei vorhergehenden Bytes handelt. Diese Summe bildet er jetzt ebenfalls. Weicht sie von der empfangenen Summenzahl 21 ab, so liegt ein Übertragungsfehler vor, d. h., dass eines der vier empfangenen Bytes durch Störung verändert wurde. Der Empfänger fordert jetzt den Sender auf, alle vier Bytes noch einmal zu übertragen.

Eine häufig verwendete Prüfmethode ist das Prüfsummenverfahren CRC (Cyclic Redundancy Check). CRC wird benutzt, um Übertragungsfehler bei Datenübertragungen zu erkennen und zu beseitigen. Die Überprüfung erfolgt sowohl vom sendenden als auch vom empfangenden Gerät aus. CRC ist Bestandteil von einigen Übertragungsprotokollen.

9.3. Störquellen, die die Signalausbreitung begrenzen

9.3.1. Begrenzung der Bandbreite 

Jeder Übertragungskanal besitzt eine Grenzfrequenz, d.h., Schwingungen mit höheren Frequenzen werden nicht mehr übertragen. Diese Frequenz heißt auch die Bandbreite.

  • Frequenzen werden gemessen in Hz (Hertz): 1 Hz = 1/sec (Schwingung pro Sekunde)

  • Die Bandbreite eines Übertragungskanals ist maßgeblich für die Menge der zu übertragenden Informationen.

  • Je höher die Bandbreite, desto größere Datenmengen können übertragen werden.

Man kann sich ein Digitalsignal (Rechteckimpuls) zusammengesetzt aus einer größeren Anzahl von Sinussignalen unterschiedlicher Frequenzen vorstellen. Je schärfer die „Ecken“ eines Rechteckimpulses sind, desto höhere Frequenzen werden übertragen, d. h., desto höher ist die Bandbreite. Umgekehrt: Je geringer die Bandbreite des Mediums ist, desto mehr wird das Rechtecksignal "verschliffen".

9.3.2. Dämpfung 

Bei der Übertragung von Signalen treten bei zunehmender Entfernung zwischen Sender und Empfänger Verluste auf (z. B. bei Kabeln durch den elektrischen Leitungswiderstand). Dies verringert den Rauschabstand, d.h. das Verhältnis zwischen Signalstärke und Störungen wird immer geringer. Abhängig vom Übertragungsmedium und von der maximal verwendeten Datenrate gibt es eine maximale nutzbare Übertragungsweglänge.

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Allgemein gesagt ist die Dämpfung das Verhältnis des Ausgangs-Signalpegels zum Eingangs-Signalpegel. Die Dämpfung wird in Dezibel (dB) angegeben.

Bei einem Kupferkabel z. B. ist die Dämpfung das Verhältnis von Aus- zu Eingangsspannung. Dieses Kabel kann aus einer Zusammenschaltung von Widerständen, Induktivitäten und Kapazitäten angesehen werden (s. nebenstehendes Ersatzschaltbild). Je höher die Frequenz, desto größer ist die Dämpfung durch Leitungsinduktivität und Kapazität. Durch in den Übertragungsweg eingeschaltete Verstärker (Repeater) kann die Dämpfung z. T. ausgeglichen werden.

9.3.3. Verzerrungen durch Laufzeitunterschiede 

Die Geschwindigkeit, mit der ein Signal in einem Medium transportiert wird, ist auch abhängig von der Frequenz. Wenn also ein Rechtecksignal übertragen wird, das wir uns als Gemisch von Sinussignalen unterschiedlicher Frequenz vorstellen, dann kommen die einzelnen Frequenzanteile zu verschiedenen Zeiten beim Empfänger an. Die sich daraus ergebenden Signaländerungen nennt man Laufzeitverzerrungen. Die Verzerrungen nehmen mit steigender Datenrate zu.

Die Laufzeitverzerrungen sind auch der Grund dafür, dass nicht beliebig viele Verstärker (Repeater) hintereinandergeschaltet werden können, um das Signal über sehr lange Strecken zu übertragen.

9.3.4. Rauschen 

In einem idealen Übertragungskanal sind in Übertragungspausen außer dem Ruhepegel keinerlei Signale festzustellen. In der Praxis beeinflussen jedoch diverse elektromagnetische Störsignale die Übertragung. Quellen solcher Störsignale sind elektrische Geräte und Maschinen in der Umgebung der Leitung und nicht zuletzt auch die natürliche Strahlung von Erde und Atmosphäre.

Die Frequenzen und Feldstärken dieser Störungen sind von zufälligen Faktoren abhängig. Alle diese auf das Übertragungsmedium einwirkenden zufälligen Signale nennt man „Rauschen“.

Das Rauschen lässt sich durch keinerlei Maßnahmen vollständig beseitigen, sondern nur mildern, z. B. durch abgeschirmte Kabel.

In den Übertragungsweg geschaltete Verstärker (Repeater) verstärken natürlich nicht nur das Nutzsignal, sondern auch den Rauschanteil.

9.4. Kriterien zu Beurteilung von Übertragungsmedien 

Die rein technischen Eigenschaften einer Signalübertragungsanlage sind nicht die einzigen Kriterien, nach denen Übertragungsanlagen beurteilt werden müssen. Wie bei allen von Menschen genutzten Systemen spielen weitaus mehr Kriterien eine Rolle. Übertragungsmedien können u. a. nach folgenden Gesichtspunkten beurteilt werden:

  1. Übertragungseigenschaften

    • Mit welcher Qualität kann ein Signal über welche Entfernung übertragen werden?

    • Wie schnell ist der Datentransport?

  2. Kosten

    • Welcher finanzielle Aufwand ist zur Installation der Übertragungsanlage, zur Datenübertragung und für die Wartung der Anlage notwendig?

    • Welche Schulungen müssen durchgeführt werden?

  3. Mechanische und chemisch- physikalische Eigenschaften

    • Zug- und Abriebfestigkeit, Flexibilität (Knickradius), Temperaturbeständigkeit, Flammwidrigkeit, Alterung, Korrosion...

  4. Gesundheits- und Umweltschutz

    • Entstehung gesundheitsschädlicher Stoffe (z. B. Brand von Kunststoffen)

    • Wie können nicht mehr benötigte Anlagenteile gefahrlos entsorgt werden?

  5. Sicherheit

    • Abhörsicherheit, Manipulationssicherheit, Explosionsschutz, Elektrosmog


 

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