6. Kabel und Geräte zur Installation von Computernetzwerken
6.1. Kabel
6.1.1. Anforderungen an Netzwerk-Kabel
Eine
wichtige Rolle bei
der Datenübertragung zwischen Computern spielt das
Übertragungsmedium, im Normalfall das Netzwerkkabel. Es muss
die
Daten über oftmals große Entfernungen
transportieren.
Dabei darf es nicht zu Störbeeinflussungen durch
äußere
elektromagnetische Felder oder durch andere Signalleitungen kommen,
die das Signal verfälschen oder gar unlesbar machen.
Große
Datenmengen bedeuten oftmals sehr hohe Frequenzen. Das heißt,
dass ein Datenübertragungsmedium möglichst eine hohe
Grenzfrequenz haben muss. Nicht zuletzt muss das Datenkabel auch
mechanisch den Anforderungen eines jahrelangen Dienstes in oftmals
aggressiver Umgebung standhalten.
6.1.2.
Kupferkabel
Für
lokale Netze
werden meist Kupferkabel eingesetzt, wenn auch der Anteil der
Glasfaser- und drahtlosen Verbindungen immer mehr zunimmt. Bei
Kupferkabeln unterscheidet man hauptsächlich zwischen
symmetrischen (Twisted Pair) und asymmetrischen Leitungen
(Koaxialkabel – Koax)
6.1.2.1.
Koax
ursprünglich
für
alle Computernetze verwendet, heute für Breitbandnetze
-
max.
Übertragungsrate ca. 2 Gbit/s auf 2 km
-
größere
Distanzen und höhere Geschwindigkeiten als bei twisted Pair
-
gibt
kaum eigene Strahlung ab
-
äußere
Einstrahlungen werden gut kompensiert (störungsunempfindlich)
Beispiel:
Kabelfernsehen, breitbandige Computernetze

Typen
von Koax-Kabeln:
|
Kabeltyp
|
Impedanz
|
Anwendung
|
|
RG-58/U
|
53,5 Ohm
|
Ethernet
|
|
RG-58A/U
|
50 Ohm
|
10Base2
|
|
RG-58C/U
|
50 Ohm
|
10Base2
|
|
RG-59
|
75 Ohm
|
Kabelfernsehen
|
|
RG-62
|
93 Ohm
|
ARCnet
|
6.1.2.2.
Twisted
Pair
Twisted Pair Kabel sind Netzwerkkabel, die aus vier
verdrillten
(twisted) Adernpaaren (pair) bestehen.
-
max.
Übertragungsrate ca. 100 Mbit/s auf 100m
-
Verdrillung
reduziert die gegenseitige Störbeeinflussung zwischen
benachbarten Kabeln
-
empfindlich
gegenüber elektromagnetischer Strahlung
-
Entfernungen
u. U. bis zu einigen km möglich (ohne Verstärkung)
-
preiswert
und leicht zu verlegen

Das
Kabel verbindet genau zwei Stationen miteinander.
Zum
Anschluss mehrerer
Stationen müssen so genannte Hubs (engl. "Hub" = Nabe
eines Speichenrades) eingesetzt werden, es lassen sich dann bis zu
1024 Stationen miteinander koppeln.
Als
Verbinder kommen
normalerweise RJ-45-Stecker (Western-Stecker) und -Dosen zum Einsatz.
Die hier beschriebenen Twisted-Pair-Kabel sind
Verlegekabel der
Kategorie 5. Sie werden hauptsächlich in strukturierten
Verkabelungssystemen (Netzwerk und Telefonie) eingesetzt. Man
unterscheidet folgende Ausstattungsarten:
6.1.2.3. U/UTP - Unscreened Unshielded
Twisted Pair
U/UTP-Kabel sind sehr einfach aufgebaute ungeschirmte
Twisted-Pair-Kabel. Dadurch sind sie sehr einfach herzustellen und
preisgünstig, aber auch sehr störanfällig.
Das Kabel besteht aus einem Kunststoffmantel, in dem
sich die
verdrillten Adernpaare befinden. Das Kabel ist sehr flexibel und
einfach zu verlegen.
6.1.2.4. S/UTP - Screened Unshielded
Twisted Pair
Das S/UTP-Kabel hat zwischen Kunststoffmantel und den
verdrillten
Adernpaaren eine Schirmung aus Kupfergeflecht oder Aluminiumfolie.
Die Qualität dieser Kabel ist wesentlich höher als
U/UTP.
Sie stellt das Mindestmaß an Qualität für
die
Netzwerkverkabelung sicher.
6.1.2.5. S/STP - Screened Shielded Twisted Pair
Das S/STP-Kabel ist das hochwertigste
Twisted-Pair-Kabel.
Zusätzlich zum Schirmgeflecht sind hier die einzelnen
Adernpaare
mit einer Aluminiumfolie geschirmt. Dieses Kabel ist wenig flexibler
und daher schwerer zu verlegen.
6.1.2.6. Typen von Twisted-Pair-Kabeln
|
Kabeltyp
|
Spezifikation
|
max.
Frequenz
|
Impedanz
|
Anwendung
|
|
STP
|
IBM Typ 1/9
|
20 MHz
|
150 Ohm
|
4 und 16 MBit Token Ring
|
|
UTP-1
|
EIA/TIA-568
Kat.1
|
100 kHz
|
100 Ohm
|
analoge
Sprachübertragung
|
|
UTP-2
|
EIA/TIA-568
Kat.2
|
100 kHz
|
100 Ohm
|
IBM-Verkabelung Typ 3
(Sprache)
|
|
UTP-3
|
EIA/TIA-568
Kat.3
|
16 MHz
|
100 Ohm
|
10BaseT,
100BaseT4, 100VG-AnyLAN, ISDN
|
|
UTP-4
|
EIA/TIA-568
Kat.4
|
20 MHz
|
100 Ohm
|
16 MBit
Token Ring
|
|
UTP-5
|
EIA/TIA-568
Kat.5
|
100 MHz
|
100 Ohm
|
100BaseT, SONET, SOH
|
|
UTP-6
|
Kat.6
|
200 MHz
|
-
|
155-MBit-ATM, keine
verabschiedete Spezifikation
|
|
UTP-7
|
Kat.7
|
600 MHz
|
-
|
622-MBit-ATM,
Gigabit-Ethernet, keine verabschiedete Spezifikation
|
6.1.2.7. Stecker
Die
zugehörigen
Steckverbinder für Twisted Pair sind so genannte RJ45-Stecker,
oft auch als Westernstecker
bezeichnet.

6.1.2.8. Pin-Belegung eines Twisted-Pair Kabels
Zum Verbinden einer Netzwerkkarte mit einem
„normalen“
Hubport verwendet man ein (1-1)-Kabel:
|
Pin
|
Farbe
|
Funktion bei Ethernet
|
|
1
|
orange
|
Transmit
Data +
|
|
2
|
orange/weiß
|
Transmit Data -
|
|
3
|
grün
|
Receive
Data +
|
|
4
|
blau/weiß
|
unbenutzt
|
|
5
|
blau
|
unbenutzt
|
|
6
|
grün/weiß
|
Receive Data -
|
|
7
|
braun
|
unbenutzt
|
|
8
|
braun/weiß
|
unbenutzt
|
An
den RJ45-Buchsen
(Draufsicht - von vorne) gesehen:
Also:
1-1, 2-2, 3-3, 6-6
6.1.2.9.Crossover-Kabel für Ethernet

Das
Crossover-Kabel überkreuzt die zwei Empfangs- und
Sendeleitungen
zweier miteinander verbundener Netzwerkkomponenten.
Es wird verwendet,
-
wenn zwei
Netzwerk-Komponenten (Hubs, Switches) verbunden werden sollen, aber
kein Uplink-Port vorhanden ist.
-
wenn
zwei Netzwerk-Karten direkt miteinander verbunden werden sollen.
Also:
1-3, 2-6, 3-1, 6-2
6.1.3. Lichtwellenleiter (LWL)
Lichtwellenleiter
bestehen aus Glas oder lichtdurchlässigem Kunststoff.
Physikalische Grundlage des LWL ist
das Prinzip von
Brechung und Reflexion. Ein sich durch den Kern des Kabels bewegender
Lichtstrahl wird beim Auftreffen auf die Grenzschicht zwischen Kern
und Ummantelung totalreflektiert und verlässt so nie das Kabel.

Charakteristika
von LWL:
-
Verwendung
ursprünglich hauptsächlich in
Hochgeschwindigkeitsnetzen und im
Telefon-Weitverkehrsnetz, wird zunehmend auch bei
LANs eingesetzt.
-
Bandbreite:
ca. 200 MHz bis 5 GHz
-
Unempfindlich
gegen elektromagnetische Störungen.
-
erfordert
hohen technischen Aufwand: LED (Light Emitting Diode =
Lichtdiode) oder Laser als Sender, Fotodiode als Empfänger,
Spezialwerkzeug bei der Verkabelung.
-
Früher
komplexe Handhabung (spleißen, Endstücke
konfektionieren, biegen und brechen), heute standardisierte
Verbindungstechnik
-
geringe
Herstellungskosten
-
geringer
Raumbedarf und geringes Gewicht
-
für
Verlegung in explosionsgefährdeten Räumen geeignet
-
Substitution
von Kupfer (Glas ist billiger)
-
Abhörsicherheit
(keine elektromagnetische Abstrahlung)
Es gibt hinsichtlich der möglichen
Führung der Strahlen
zwei Typen von LWL, die Multimode-LWL (Vielwellenleiter) und die
Monomode-LWL (Einwellenleiter). Bei Monomode-LWL ist der
Faserdurchmesser kleiner als beim Multimode-LWL. Die Verluste und die
Dispersion (Lichtstreuung) bei Monomode-Fasern sind sehr gering.
Damit ist der Monomode-LWL zur Übertragung bei
großen
Distanzen geeignet, gleichzeitig ist er aber hinsichtlich Herstellung
und technischen Anforderungen an die Zusatzgeräte teurer.
6.2. Geräte zur Verbindung von Netzwerkkomponenten
6.2.1. Wozu Verbindungsgeräte?
Ein
Twisted-Pair-Kabel
verbindet genau zwei Geräte miteinander. Sobald mehr als zwei
Geräte miteinander vernetzt werden sollen, braucht man
Zusatzgeräte (Hubs oder Switches), die dies realisieren. Des
Weiteren ist es oftmals notwendig, einzelne Netze miteinander zu
verbinden oder Längenbegrenzungen,
Bandbreitenengpässe oder
sonstige Einschränkungen zu überwinden.
6.2.2. Repeater
Ein
Repeater
(Signalverstärker) ist eine aktive Netzwerkkomponente, die
eine
Regenerierungsfunktion übernimmt. Ein Repeater
empfängt
Signale, verstärkt sie und gibt sie weiter. In lokalen Netzen
dient der Repeater dazu,, die maximale Signalreichweite bzw.
Kabellänge zu erhöhen. Ein Repeater regeneriert nur
die
Bitströme, hat aber keinen Einblick in den Inhalt der
Sendungen.
alle Segmente des Netzwerks müssen deshalb das gleiche
Zugriffsverfahren verwenden. Ein Repeater ist vollkommen transparent,
d. h., weder angeschlossene Geräte noch Programme
„wissen“
von diesem Gerät. Repeater spielen bei neueren Vernetzungen
keine Rolle mehr.
6.2.3.
Hub
Ein Hub ist ein Verteiler in einem
sternförmigen Netz und
wird häufig auch als Kabelkonzentrator, Sternkoppler oder
Sternverteiler bezeichnet. Ein Hub hat mehrere Ports (5, 8, 16, 24),
mit denen jeweils ein Endgerät verbunden wird. Auf der Strecke
Port – Endgerät steht dem Endgerät die
volle
Bandbreite zur Verfügung. Die innere Verbindung (interner
Datenbus) der einzelnen Ports heißt Backplane und kann meist
eine wesentlich höhere Bandbreite (im GBps-Bereich)
realisieren.
Dadurch werden Engpässe bei der Verbindung der Geräte
untereinander vermieden. Auch ein Hub ist ein vollständig
transparentes Gerät, jedes Signal ist überall
vorhanden.
Die Endgeräte müssen sich das
Übertragungsmedium
teilen (shared medium). Logisch bleibt so die Struktur eines Busses
erhalten, d. h. jeder Netzwerkknoten erhält jede Nachricht.
Moderne Hubs arbeiten mit Signalverstärkung
(aktiver Hub),
erkennen die Geschwindigkeit der sendenden Netzwerkkarten (meist 10
oder 100 MBps) und stellen sich darauf ein (Automatik-Hub).
Ein Switching Hub ist ein Hub, der ein ankommendes
Signal nur an
das Zielgerät weiterschaltet. Dadurch wird die Eigenschaft der
Bustopologie, dass alle Netzwerkknoten das Signal bekommen,
außer
Kraft gesetzt. Der Datendurchsatz kann dadurch wesentlich
größer
werden. Hubs können miteinander verbunden werden, so dass man
bzgl. der Kopplung von Rechnern sehr flexibel ist.
6.2.4.
Bridge
Eine Bridge verbindet zwei lokale Netzwerke (Subnetze)
miteinander. Jedes Teilnetz kann bzgl. der Längenbestimmungen
oder der Anzahl der Arbeitsstationen als eigenständig
bezeichnet
werden.
Im Gegensatz zum Repeater kann eine Bridge
unterschiedliche
Übertragungsraten und unterschiedliche Zugriffsverfahren
umsetzen, also z. B. auch zwischen CSMA/CD und Token Passing
eingesetzt werden.
Arbeitsweise: Eine Bridge führt eine
Zwischenspeicherung und
Aufbereitung der Datenpakete durch, bevor sie die Pakete anhand der
MAC-Adresse weiterleitet. Für diesen Zweck werden
Adresstabellen
verwendet.
Die Bridge „lernt“ mögliche
Empfänger, indem
die Absender von Paketen in den einzelnen Teilnetzen in eine Tabelle
eingetragen werden. Diese Tabelleneinträge werden laufend
aktualisiert. Ein Paket muss nur dann an alle Teilnetze gesendet
werden, wenn der Empfänger nicht in dieser Tabelle eingetragen
ist und das Zielnetz somit nicht bekannt ist.
6.2.5.
Switch
Ein Switch ist ein elektronisches Gerät zur
Verbindung von
Netzwerk-Segmenten, ähnlich einem Hub. Es dient zu Verbindung
mehrerer Computer über ein lokales Netzwerk. Ein Switch wird
wegen der ähnlichen Eigenschaften zur Bridge oft auch als
Multi-Port-Bridge bezeichnet.
Arbeitsweise: Die einzelnen Ports
eines Switch können
unabhängig voneinander Daten empfangen und senden. Sie sind
über
einen internen Hochgeschwindigkeitsbus (Backplane)
miteinander verbunden. Datenpuffer sorgen dafür, dass nach
Möglichkeit keine Datenpakete verloren gehen.
Vorteil: Keine Datenkollisionen, der
Datendurchsatz wird
deutlich erhöht.
Nachteil: Da gesendete Nachrichten
nicht mehr überall
vorhanden sind, ist das Netz bei Fehlersituationen schwerer zu
überblicken.
6.2.6.
Router
Ein Router ist ein Gerät, das getrennte
Netzwerke koppeln
oder große Netzwerke in Subnetze aufteilen kann. Dies
Kopplung
kann eine Verbindung zwischen zwei oder mehr lokalen Netzen oder die
Verbindung zwischen LAN und WAN bzw. WAN und WAN sein.
Ein Router ist ein Vermittlungsrechner, der am Aufbau
einer
Verbindung in einem Computernetz mit Paketvermittlung, zum Beispiel
dem Internet, beteiligt ist. Solche Rechner leiten („routen")
die Datenpakete anhand der Adresse eines routingfähigen
Protokolls wie z.B. TCP/IP zum jeweiligen Zielrechner. Die Adresse im
Header eines Datenpakets gibt an, in welches Subnetz, an welchen
anderen Router oder Rechner er die Daten senden muss. Der Router
entscheidet sich für den jeweils (zeitlich und
entfernungsmäßig)
günstigsten Weg.
6.2.7. Gateway
Ein Gateway verbindet Netzwerke mit völlig
unterschiedlichen
Protokollen und Adressierungen.
Ein Gateway kann damit eigentlich inkompatible Netze
miteinander
verbinden. Möglich wird dies dadurch, dass ein Gateway auf
allen
7 Schichten des OSI-Modells tätig werden kann und somit im
Extremfall eine ankommende Nachricht bis auf Schicht 7 entpackt, um
sie dann für das andere Netz passend wieder bis auf Schicht 1
zu
verpacken. Ein Gateway setzt also real ein Protokoll in ein anderes
um.
6.2.8. Welche Geräte arbeiten
in welchen
Schichten des OSI-Modells?
|
OSI-Schicht
|
Gerät
|
Kennzeichen
|
|
4
– 7
|
Gateway
|
Komplette Umformung der
Sendung
|
|
3
|
Router
|
z. B. IP-Adressierung
|
|
2
|
Bridge, Switch
|
MAC-Adressierung
|
|
1
|
Repeater, Hub
|
Signalverstärkung
|
6.3. Wireless LAN (WLAN) / IEEE 802.11
6.3.1. Die Alternative zum Netzwerkkabel
Die kabellose Datenübertragung bei
Computernetzen gewinnt
immer mehr an Bedeutung. Waren die Übertragungssysteme Mitte
der
neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts noch zu teuer und zu
langsam, so stellen sie heute schon eine echte Alternative bei der
Strukturierung von Kabelnetzen dar, besonders wenn es darum geht,
aufwändige Installationsarbeit und en damit verbundenen
„Kabelsalat“ zu vermeiden.
Seit 1997 gibt es die Ethernet-Variante IEEE 802.11, die
eine
verbindliche drahtlose Schnittstelle darstellt. Im Zusammenhang mit
IEEE 802.11 fällt sehr häufig der Begriff WiFi, der
für
Wireless Fidelity steht und von der Wireless Ethernet Compability
Alliance (WECA) kommuniziert wird. Die WECA ist ein Zusammenschluss
von Firmen, die mit dem WiFi-Logo ihre Produkte als IEEE
802.11-kompatibel kennzeichnen. Doch nicht nur das, die Geräte
haben eine Art TÜV durchlaufen, der diese
Kompatibilität
geprüft hat. Produkte mit diesem Logo lassen sich also
uneingeschränkt mit Produkten andere Hersteller kombinieren.
Drahtlose Netzwerkkarten lassen sich ohne Probleme in
jedes System
einbinden. Auf bestimmte Protokolle ist man nicht angewiesen.
Wireless LAN ist vollkommen protokolltransparent, wie jedes andere
IEEE-802-Netzwerk auch.
Obwohl Wireless LAN protokollunabhängig
arbeitet, können
sich Probleme in der Praxis mit einigen Protokollen und Anwendungen
ergeben. Ausschlaggebende Faktoren sind die höhere
Bitfehlerrate
(Bit Error Rate, BER) und die größere
Verzögerung bei
der Übertragung von Daten. Es liegt in der Natur des Wireless
LAN, dass die zur Übertragung benötigte Zeit
länger
ist als im drahtgebundenen LAN.
Das ISM-Frequenzband (Industrial, Scientific, Medicine)
kann für
Anwendungen in Industrie, Wissenschaft und Medizin frei und ohne
Lizenz benutzt werden. Das bedeutet, dass auf privatem Grund und
Boden keine Gebühren bezahlt werden müssen. Das
ISM-Frequenzband ist weltweit als lizenzfrei anerkannt.
In diesem Frequenzspektrum um 2,4 GHz konkurrieren viele
Standards
und proprietäre Funktechniken der unterschiedlichsten
Hersteller
und Anwendungen, unglücklicherweise auch Geräte des
täglichen Gebrauchs, z. B. Mikrowellenherde und schnurlose
Telefone. Die Realisierbarkeit eines Funknetzwerkes nach 802.11
hängt
also maßgeblich von der Nutzung anderer Produkte in diesem
Frequenzspektrum ab. Z. B. nutzen auch Bluetooth-Endgeräte
für
den Kurzstreckenfunk dieses Frequenzspektrum. Störungen sind
da
nicht ausgeschlossen.
6.3.2. Topologien beim Wireless LAN
Schon mit zwei drahtlosen Stationen lässt sich
ein einfaches
Wireless LAN aufbauen. Bei der Einrichtung sind keine weiteren
aktiven Elemente erforderlich. Die Stationen kommunizieren direkt
über den WLAN-Adapter. In Laptops ist das eine PCMCIA-Karte.
In
Desktop-Systemen gibt es dazu eine PCI-Steckkarte.
Die Topologie eines solchen Ad-hoc-Netzes nennt sich
Independent
Basic Service Set(IBSS).
Jede Station bildet mit seiner Netzwerkarte eine
Funkzelle.
Solange sich die Stationen in einer Zelle befinden oder sich die
Zellen überschneiden, ist eine Kommunikation zwischen den
Stationen möglich. Diese Art der Vernetzung ist für
ein
WLAN mit IEEE 802.11 eher unüblich. Eine Adhoc-Vernetzung ist
mit Irda (Infrarot) oder Bluetooth schneller realisiert.
Ist die Reichweite einer Zelle zu gering, lässt
sie sich mit
einem Access Point, kurz AP, erweitern. Doch nicht nur das. Der
Access Point bildet auch den Übergang zum drahtgebundenen
Netzwerk. Der Access Point stellt innerhalb einer Funkzelle den
Zugriff auf das drahtgebundene Netzwerk und umgekehrt her. Der Access
Point übernimmt dabei die Aufgabe einer Bridge. Er erlaubt es
sogar, Protokolle, die das WLAN unnötig überlasten
würden,
herauszufiltern.
Die Topologie eines solchen Netzwerkes mit Access Point
nennt sich
Basic Service Set(BSS).
Mittels zweier Access Points lässt sich auch
die Reichweite
eines kabelgebundenen Netzwerkes erhöhen. Bei einer
Infrastruktur auf Basis von 10/100BaseT dürfen die einzelnen
Kabelsegmente eine Maximallänge von 100 Metern haben. Mit
Wireless LAN besteht die Möglichkeit, Bereiche zu verbinden,
die
mit der herkömmlichen Verkabelung nicht erreicht werden
können.
Die Reichweite im Freien liegt bei guten Bedingungen
zwischen 100
und 300 Metern. Reicht das nicht aus, so lassen sich mit zwei
gerichteten Antennen einige Kilometer überbrücken.
Und das
gebühren- und genehmigungsfrei. Auch über
Grundstücksgrenzen hinweg.
Die Topologie eines solchen Netzwerkes mit zwei Access
Points
nennt sich Extendet Service Set(ESS). Es besteht aus zwei oder
mehreren Basic Service Sets(BSS-A und BSS-B). Innerhalb des ESS
können sich die Stationen frei bewegen. Ein Roaming-Verfahren
hält die Netzwerkverbindung zu den Access Points aufrecht.
6.3.3. Praktische Probleme:
Einrichtung,
Datensicherheit und Übertragungsgeschwindigkeit des WLAN
Beim Gerätekauf von WLAN-Technik kann man
feststellen, dass
moderne Accesspoints viel mehr können, als einige Computer mit
WLAN-Karten miteinander zu verbinden. Sie stellen meist eine
Kombination aus Accesspoint, DSL-Router und Ethernet-Switch
(für
Twisted-Pair-Verkabelung) dar.
Die Steuerung dieser Geräte bzw. die
Einrichtung des Netzes
erfolgt unkompliziert über einen Internetbrowser eines PC, der
an das Netz angeschlossen ist.
Beim Einrichten eines WLAN wird man typischerweise
gefragt, ob man
dieses als Ad-hoc- (ohne Access-Point) oder Infrastructure (mit
Access-Point) aufbauen möchte.
Eine einfache WLAN-Verbindung ist nicht
abhörsicher. Ein in
der Nähe befindlicher Computer mit einer WLAN-Karte kann sich
problemlos in mein Computernetz einklinken bzw. auf meine Kosten im
Internet surfen.
Um den Datenverkehr innerhalb der Funkzelle zu sichern,
werden die
Daten zwischen den Stationen mit WEP (Wired Equivalency Privacy)
verschlüsselt. Die Nutzdaten werden mittels des
RC4-Algorithmus
mit den Key-Längen 40 oder 104 Bit verschlüsselt.
WEP wurde bereits als nicht besonders sicher eingestuft.
Unter
Umständen sind weitere Sicherungsmaßnahmen, wie z.
B. VPN
mit IPsec oder Protokolle mit SSL notwendig. Hinreichenden Schutz
bietet das WPA-Verschlüsselungsverfahren.
Hauptproblem bei Funknetzwerken ist die
Abhängigkeit des
Datendurchsatzes von der Reichweite. Die angegebenen
Brutto-Übertragungsraten von über 50 MBit in der
Sekunde
reduzieren sich in der Praxis auf wenige Mbit/s. Je weiter der
Stationsabstand voneinander ist, desto geringer wird auch der
Datendurchsatz. Ab einem bestimmten Punkt wird die Verbindung
quälend
langsam oder bricht ganz ab.

|